Ich entschloss mich, wieder einmal alleine die Ferien im Ausland zu verbringen. In einem Land, für das ich schon sehr lange (als Kind schon) geschwärmt und mich dafür interessiert habe.Relativ kurzfristig habe ich mich für die Destination Aegypten, eine Schiffsfahrt auf dem Nil entschieden. Nun begann ich mich intensiv darauf vorzube reiten. Von einem guten Arbeitskollegen bekam ich einschlägige Fachliteratur über das damalige Aegypten.
Am Sonntag den 7. August 1988 war es dann endlich soweit. Der Airbus A 300 der ägyptischen Luftfahrtsgesellschaft Egypt Air startete fast pünktlich um 1600 Uhr in Zürich-Kloten, Richtung Kairo. Nach ca. dreieinhalb Stunden landeteten wir.
Eine “aufgestellte” Reiseleitung erwartete uns auf dem Kairo Airport. Endlich im Bus einge stiegen stellte sich unser Reiseleiter kurz vor und machte uns mit den wichtigsten Dingen der 12 Millionenstadt bekannt.
Zur Lebenseinstellung der Aegypter nachfolgende Erklärungen:
I B M
Inschallah Bukra Malesch
Ich will keine Schleichwerbung machen; sagte uns Markus, die drei Buchstaben IBM stehen nicht für das was Sie vielleicht denken.Tatsächlich steht der Buchstabe -I-für Inschallah, wenn Gott will, der Buchstabe -BBukra, Morgen und der letzte -M- für Maleseh, macht nichts. “Also wenn einmal etwas nicht so klappt, wie wir es gewohnt sind; steht für
zum Beispiel ein Flug auf 1000 Uhr angesetzt ist, Inschallah, so muss man sich eben nicht wundern wenn die Maschine erst um 1300 Uhr startet. Malesch! Regen Sie sich nicht auf, es lohnt sich nicht.” Zum Verkehr meinte er folgendes:
In Kairo herrscht ein völliges Verkehrschaos. Mit den Verkehrsregeln nehmen es die Aegypter nicht so ernst. Ueberhaupt die Gesetze werden nach Lust und Laune befolgt. So besteht die Regel:
- Bei Rot kann man fahren.
- Bei Grün muss man fahren!
Ueberholen kann man auch wie man will. Man überholt einfach wo es Platz hat. Rechts oder Links spielt keine Rolle.
Andern Tags begaben wir uns auf die Stadtrundfahrt. Auf dieser lernten wir unsen regionalen Reiseführer Youssef kennen.
Zuerst standen die Pyramiden von Giseh auf dem Programm. Der Bus mühte sich durch das Kairoer Verkehrschaos hindurch auf die “Pyramidenstrasss”• Die Pyramidenstrasse ist eine schnurgerade Strasse. In der Mitte sind Pyramidenförmig geschnittene Bäume ge pflanzt worden.
Diese Strasse führt auch am Denkmal des unbekannten Soldaten vorbei, der Ruhestätte des 1981 ermordeten ägyptischen Staatspräsidenten Sadat. Und plötzlich tauchen die Pyramiden vor unseren Blicken auf.
Zunächst sehen wir die Cheopspyramide. Diese ist 146m hoch und besteht aus ca. 2 Millionen Steinen. Sie ist die grösste der drei grossen Pyramiden. Die drei Pyramiden zählten zu den sieben Weltwundern der Antike und sind von diesen die einzigen die noch übriggeblieben sind.
Nebst der Cheopspyramide sehen wir noch die mittlere “Chepfren” und “Mykerinos” die letztere ist die kleinste der drei Grossen.
Von der imposanten Cheopspyramide aus ritten wir auf einem Kamel (Dromedar) zur Sphinx hinunter. Dies war ein einmaliges Erlebnis. “Hoch zu Kämel hat man das Gefühl, man sei auf hoher See”. Für seekrankgefährdete ist dieser Ritt also nicht zu empfehlen.
In einem Restaurant auf der Terrasse erfrisch ten wir uns mit einem kühlen Getränk, und bestaunten den Sphinx. Diese stellt den Pharao Chephren in der Gestalt eines Löwen dar. Die Gesamtlänge dieses Werkes beträgt 73,5m und die Höhe 20m.
Anschliessend fuhren wir zu einem bekannten Papyrusinstitut in Gizeh. Dort sahen wir einer AngstelIten zu, wie man Papyrusblätter her stellt, auf denen nachher kunstvolle Bilder gemalt werden. Diese Bilder werden vor allem von Studenten hergestellt. Man hatte auch die Möglichkeit solche Papyrusbilder zu kaufen. Zu jedem Bild, das man in einem solchen Institut kauft, erhält man noch ein Echtheitszertifikat das von der Regierung beglaubigt ist.
Am frühen Nachmittag besichtigten wir das ägyptische Museum Kairo. Dieses wurde 1857 vom französischen Aegyptologen Auguste Mariette (1821- 1881) gegründet. Es beinhaltet die grösste und bedeutendste Sammlung von ägyptischen und griechisch-römischen Altertümern aus den Niltal. Unter anderem den berühmten Grabschatz von Tutanchamun (18. Dynastie) sein Grab wurde 1922 von einem Engländer Namens Howard Carter entdeckt. Diese Pracht muss man gesehen haben, wenn man schon einmal im ägyptischen Museum st. Der goldene Kanopenschrein in dem die Eingeweiden des Toten in Alabastertöpfen aufbewahrt werden, ist nur ein Beispiel. Früher gab man dem Toten den ganzen Haushalt mit ins Grab. Alles was ihm gehört hatte, zum Beispiel auch seine Kinderspielsachen. Es gäbe noch viel zu erzählen von diesem grossen und sehenswerten Museum, doch würde dies einige Seiten füllen. Am besten Ihr geht selbst mal dorthin.
Der Abschluss dieser Stadtrundfahrt bildete der Besuch des Basars Khan al Kalili im alten Stadtteil von Kairo. Er ist einer der schönsten Basare des Orient, mit seinen kleinen Gäss chen und den kleine Geschäften kommt man sich vor wie zur Zeit von 1001 Nacht.
Am nächsten Tag flogen wir am Vormittag ab nach Assuan, in Oberägypten. Dies bedeutete für uns auch eine klimatische Veränderung. Als wir in Assuan aus dem Flugzeug ausstiegen schlug uns ein feuchtheisser Wind entgegen. In Sekundenschnelle waren alle “pflatschnass”. Am Himmel sahen wir ziemlich grosse Wolken. Was das zu bedeuten hatte teilte uns Youssef im Car mit: ” Heute können wir mit dem Flugzeug nicht mehr nach Abu Simbel fliegen, da sich ein Sandsturm angekündigt hat. Vielleicht ist das Wetter morgen wieder besser”
Nachdem wir uns auf unserem Schiff “Sheraton Anni” eingeschifft hatten, nahmen wir das Mittagessen ein und machten uns nachher wieder auf den Weg um den unvollendeten Obelisken zu besichtigen. Dieser wäre ca. 42m hoch, wenn er aufrecht stehen würde. Doch wie der Name schon sagt, ist er nicht vollendet worden. Er liegt in einem Steinbruch in der Nähe der Stadt Assuan. Eine grosse ägypti sche Königin, Hatschepsut wollte diesen für einen Tempel in Luxor herstellen lassen. Sie wurde jedoch vor der Vollendung ermordet.
Weiter ging es dann mit den Feluken (kleinen Segelbooten die schon die alten Aegypter kannten), zu den Philae Inseln.
Das Wetter wurde immer schlechter und der Himmel immer dunkler. Auf einmal blitzte und donnerte es. Kaum waren wir im Isistempel, fing es an in Strömen zu regnen. Wie uns Youssef mitteilte, hatte es in diesem Gebiet seit acht Jahren nicht mehr geregnet. Viele Einheimische befürchteten, dass ihre Häuser nach den Sintflutartigen Regenfällen in sich zusam menfallen würden, da diese ausschliesslich aus Nilschlamm gebaut worden sind. Für uns war es auf eine Art und Weise etwas Besonderes, gerade zu diesem Zeitpunkt dort zu sein.
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