Veröffentlicht am 22. November 2009 von swisspoesia
Der Engel
Mit einem Neigen seiner Stirne weist
er weit von sich, was einschränkt und verpflichtet;
denn durch sein Herz geht riesig aufgerichtet
das ewig Kommende, das kreist.
Die tiefen Himmel stehn ihm voll Gestalten,
und jede kann ihm rufen: komm, erkenn -.
Gib seinen leichten Händen nichts zu halten
aus deinem Lastenden. Sie kämen denn
bei Nacht zu dir, dich ringender zu [...]
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Veröffentlicht am 7. November 2009 von swisspoesia
Robert Reinick (1805-1852)
Der Weihnachtsaufzug
Bald kommt die liebe Weihnachtszeit,
worauf die ganze Welt sich freut;
das Land, so weit man sehen kann,
sein Winterkleid hat angetan.
Schlaf überall; es hat die Nacht
die laute Welt zur Ruh gebracht -
kein Sternenlicht, kein grünes Reis,
der Himmel schwarz, die Erde weiß.
Da blinkt von fern ein heller Schein -
was mag das für ein Schimmer sein?
Weit [...]
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Veröffentlicht am 31. Oktober 2009 von swisspoesia
November
Der Tag wird kurz, die Kälte droht.
Da tun die warmen Kleider not.
Ach wärmte doch der Pfandschein so
wie der versetzte Paletot.
Erich Mühsam, 1913
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Veröffentlicht am 19. Oktober 2009 von swisspoesia
Im Herbste
Seid gegrüßt mit Frühlingswonne,
Blauer Himmel, goldne Sonne!
Drüben auch aus Gartenhallen
Hör´ ich frohe Saiten schallen.
Ahnest du, o Seele wieder
Sanfte, süße Frühlingslieder?
Sieh umher die falben Bäume!
Ach! Es waren holde Träume.
Ludwig Uhland
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Veröffentlicht am 6. Oktober 2009 von swisspoesia
Es ist,
als ob jeder Baum,
auf dem Lande
zu mir spräche:
Heilig, heilig!
Ludwig van Beethoven
Bäume sind Heiligtümmer.
Wer ihnen zuzuhören weiss,
der erfährt die Wahrheit.
Hermann Hesse
Wenn deine Seele krank ist,
dann verbirg dich
wie ein verwundetes Tier in den Wäldern
sie werden dich heilen
Siegfried von Vegesack
Die Seele wird beim Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
und tauscht bei Ihnen seine Seele [...]
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Veröffentlicht am 3. Oktober 2009 von swisspoesia
von Annegret Kronenberg
Goldener Oktober
Der goldene Oktober wird zerrissen.
Rücksichtslos zerrt ein scharfer
Wind die bunte Blätterpracht
von den Bäumen und treibt sie
wild vor sich her.
Die Sonne hält sich bedeckt,
mag dem Spiel nicht zuschauen.
Sommerkleider sind vergessen,
ein Schal könnte nützlich sein.
http://www.gedichte-garten.de/
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Veröffentlicht am 30. September 2009 von swisspoesia
Oktober
Zum Herbstmanöver rücken an
der Landwehr- und Reservemann.
Es drückt der Helm, es schmerzt das Bein.
O welche Lust, Soldat zu sein!
Erich Mühsam, 1913
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Veröffentlicht am 29. September 2009 von swisspoesia
Vom Himmel kommt es.
Zum Himmel steigt es.
Und wieder nieder
zur Erde muss es.
Ewig wechselnd.
Seele des Menschen,
wie gleichst Du dem Wasser!
Schicksal des Menschen,
wie gleichst Du dem Wind!
(Johann Wolfgang von Goethe)
WASSER! Du hast weder Geschmack, noch Farbe noch [...]
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Veröffentlicht am 21. September 2009 von swisspoesia
Spinnen waren mir auch zuwider
All meine jungen Jahre,
Ließen sich von der Decke nieder
In die Scheitelhaare,
Saßen verdächtig in den Ecken
Oder rannten, mich zu erschrecken,
Über Tischgefild und Hände,
Und das Töten nahm
kein Ende.
Erst als schon die Haare grauten,
Begann ich sie
zu schonen
Mit den ruhiger Angeschauten
Brüderlich zu wohnen;
Jetzt mit ihren kleinen Sorgen
Halten sie sich still geborgen,
Lässt [...]
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Veröffentlicht am 15. September 2009 von swisspoesia
Septembertag
Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit,
die dich befreit, zugleich sie dich bedrängt;
wenn das kristallene Gewand der Wahrheit
sein kühler Geist um Wald und Berge hängt.
Dies ist des Herbstes leidvoll süße Klarheit …
Christian Morgenstern (1871 – 1914)
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