Kalenderspruch zum 26. April 2008

Aus meinem Geburtstagsbüchlein „Vergiss mein nicht“. Der Tag an dem ich das Licht der Welt erblickte. Es ist ein grosses Stück Arbeit, welches sich jedoch jedenfalls lohnt:

Wachset in eure Ideale hinein,

dass das Leben sie euch

nicht nehmen kann.

Novalis

Wieder einmal eine fernöstliche Weisheit

Lass den Zorn, die stürmische Eregung.

Alles Ungestüm hat keine Dauer:

Keine Stunde währt ein Hagelschauer.

Keinen Tag des Wirbelwinds Bewegung!

Rasch verglüht des Blitzes Feuerklinge –

Und dies sind des Himmels grosse Mächte.

Stille ziemt dem kleineren Geschlechte.

Und von selber ordnen sich die Dinge.

Laotse

Zürcher Sechseläuten

Heute findet in Zürich wiederum das bürgerliche Frühlingfest „Sechseläuten“ statt. Für mich als in Zürich geborene und Bürgerin dieser Stadt ist es ein spezielles Ereignis. Allerdings wird es für mich erst um 18.00 Uhr spannend, wenn der „Böög“ angezündet wird, welcher den Winter den garaus machen soll.

Historisches, interessantes und Wissenswertes habe ich gleich aus Wikipedia auf meinen Blog kopiert:

Allen Zürcherinnen und Zürcher wünsche ich ein schönes Sächsilüüte!

Sechseläuten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Verbrennung des Böögg 2005

Verbrennung des Böögg 2005

Sechseläuten, Zürichdeutsch: Sächsilüüte ist ein Frühlingsfest in Zürich. Es findet Mitte April statt. Im Mittelpunkt des Festes steht die Figur Böögg, ein künstlicher Schneemann, der den Winter personifiziert.

Das Fest

Musikorps einer Zunft auf der Festwiese

Musikorps einer Zunft auf der Festwiese

Kinderumzug

Am Sonntag vor dem Sechseläuten findet der seit 1862 veranstaltete Kinderumzug statt. An diesem können alle Kinder zwischen fünf und fünfzehn Jahren teilnehmen, die eine Tracht oder eine Uniform tragen.

Umzug der Zünfte

Am Montag-Nachmittag findet der Zug der Gesellschaft zur Constaffel und der 25 Zürcher Zünfte statt. Rund 3500 Zünfter in ihren farbenfrohen Kostümen, Trachten und Uniformen, ihre Ehrengäste, über 350 Reiter, rund 50 ausschliesslich von Pferden gezogene Wagen und gegen 30 Musikkorps ziehen im Kontermarsch durch die Bahnhofstrasse und das Limmatquai zum Sechseläutenplatz beim Bellevue. Die Zugsordnung wird jährlich im November durch die Delegierten des Zentralkomitees der Zünfte Zürich (ZZZ) ausgelost. Die Zünfte zum Weggen, zum Kämbel und Wiedikon stehen dabei auf Grund ihrer grossen Reitergruppen in einem definierten Rotationsmodus an erster respektive letzter Stelle im Zug. Angeführt wird der Zug der Zünfte jeweils von der Stadtpolizei Zürich, dem ZZZ, den Gemeindebannern und des Gastkantons. Zünfter und Ehrengäste werden von den Zuschauern mit Blumen und Küsschen beschenkt.

Böögg-Verbrennung

Umritt am Sächsilüüte 2007

Umritt am Sächsilüüte 2007

Brenndauer des Bööggs – Gastkanton
2008 Solothurn
2007 12 Min. 9 Sek. Zug
2006 10 Min. 28 Sek. Aargau
2005 17 Min. 52 Sek. Freiburg
2004 11 Min. 42 Sek. Graubünden
2003 5 Min. 42 Sek. Schwyz
2002 12 Min. 24 Sek. Tessin
2001 26 Min. 23 Sek. Appenzell Ausserrhoden
2000 16 Min. 45 Sek. Uri
1999 23 Min. 52 Sek. Waadt
1998 10 Min. 13 Sek. Zürich
1997 7 Min. 30 Sek. Thurgau
1996 8 Min. ? Sek. Genf
1995 5 Min. 51 Sek. Glarus
1994 21 Min. 55 Sek. Wallis
1993 23 Min. 30 Sek. Basel-Stadt
1992 10 Min. 13 Sek. St. Gallen
1991 12 Min. ? Sek. Luzern
1990 10 Min. 30 Sek.
1983 24 Min. 20 Sek.
1981 14 Min. 10 Sek.
1974 5 Min. 7 Sek.

Um 18 Uhr wird der Böögg verbrannt, auch wenn die letzten Zünfte meist noch nicht am Festplatz eingetroffen sind. Der Böögg steht auf einem grossen Scheiterhaufen in der Mitte der Grünfläche auf dem Sechseläutenplatz. Während dieser brennt, reiten die Reitergruppen der verschiedenen Zünfte -in der Umzugsreihenfolge- mehrmals um den Böögg. Je schneller der mit Feuerwerkskörpern gefüllte Böögg den Kopf verliert, desto schöner soll anschliessend der Sommer werden. Bemerkenswert dabei ist: Die Brenndauer des Böögg korreliert in einer grossen Zahl der Jahre erstaunlich genau mit dem anschliessenden Sommerwetter in der Schweiz, vergleiche z.B. die Jahre 2003 bis 2007. Eine statistische Analyse kann aber diese Vermutung nicht erhärten.

Seit einigen Jahren erfreut sich ein weiteres, inoffizielles Element des Festes immer grösserer Beliebtheit: Hunderte von Leuten gesellen sich ab ca. 22 Uhr auf die Sechseläutenwiese, holen sich mit Schaufeln etwas Glut aus dem noch immer sehr heissen Holzstapel und braten darüber ihr selbst mitgebrachtes Grillgut. Auch bei kühler Witterung sorgt die Strahlungswärme des Scheiterhaufens für Lagerfeueratmosphäre. Das mehrheitlich jüngere, multikulturelle Publikum und die herrschende 68er-Stimmung kontrastieren dabei mit dem traditionell ablaufenden Fest tagsüber.

Seit 1902 wird der Böögg am heutigen Sechseläutenplatz abgebrannt.

Auszug

Nach dem Nachtessen im Zunft-Lokal findet um ca. 21 Uhr der Auszug statt, bei dem sich die Zünfte gegenseitig besuchen. Da gleichzeitig 26 Zunftauszüge, je mit Musikkorps und mit ihren farbigen Laternen, kreuz und quer durch die Innenstadt unterwegs sind, ist das immer ein schönes, farbenfrohes Ereignis.

Platz der Kantone

Begleitend zu den Umzügen stellt sich, seit dem Jahr 1991, auf dem Lindenhof, dem auf die Römerzeit zuruckgehenden historischen Zentrum der Stadt Zürich- jeweils ein Gastkanton vor. Während mehrerer Tage werden in Zelten regionale Spezialitäten angeboten. Politiker aus dem Gastkanton sind häufig Ehrengäste beim Umzug der Zünfte.

Zünfte

Der am Montag des Sechseläuten Wochenendes stattfindende „Zug der Zünfte“ ist der Hauptanlass des Sechseläutens. Die 26 Zünfte marschieren jedes Jahr in einer wechselnder Reihenfolge. Traditionsgemäss werden die Zünfter während des Umzugs von meist weiblichen Verwandten und Bekannten mit Blumen beschenkt.

12 der heutigen 26 Zünfte wurden im Mittelalter gegründet und waren Zusammenschlüsse verschiedener Handwerksvereinigungen, Innungen, Gilden, Korporationen und Meistergruppen, welche die Interessen ihres Gewerbes oder Standes vertraten. Die Zünfte waren wirtschaftliche, politische und militärische Organisationen und besassen in Zürich grosse Macht. Aus ihren Vertretern wurde der Rat gebildet. 1798, nach 462 Jahren Vorherrschaft der Zünfte, wurden ihnen die Macht entzogen. Nach dem Einmarsch der Franzosen unter der Devise „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ wurden die Zünfte aufgelöst und verkauften mit wenigen Ausnahmen ihr Zunfthaus.

In der Zeit des Biedermeiers, als politische und berufsbezogene Aufgaben fehlten, suchten junge Zünfter innerhalb ihres Kreises neue Betätigungen. Ab 1818 begannen sie mit einfachen nächtlichen Umzüglein, die sich auch in den folgenden Jahren wiederholten, 1830 erstmals bei Tag. Seither bilden die Constaffel und die Zünfte Vereinigungen, «in welchen der alte Kern der Bürgerschaft die Liebe zur Vaterstadt, zur engern und weitern Heimat, einen gut bürgerlichen Sinn und das Verständnis für alte zürcherische Sitten, Gebräuche und Feste wachhält und pflegt». Kurz: Vereinigungen von Männern mit ähnlichen traditionellen Interessen, während ab Mitte des 15. Jahrhunderts bis zum Ende des Anciens Régimes alle Stadtbürger, also auch die Frauen, Mitglied einer Zunft waren.[1]

Ende des 19. Jahrhunderts entstand eine Gesellschaft, um „den gleichen Zwecken zu dienen wie die alten Zünfte“. Dieser „Stadtzunft“, wie sich die neue Gesellschaft nannte, folgten dann weitere Zünfte „der neuen Linie“, die meisten in zwei Schüben, nämlich im Zusammenhang mit den Eingemeindungen von 1893 und 1934. Die Gründerväter der Quartierzünfte wollten sich einerseits bewusst zur Stadt bekennen, andererseits die Erinnerung an die ehemaligen Gemeinden wach halten.

Name Beschreibung Gründung Zunft-/ Gesellschaftshaus Website
Gesellschaft zur Constaffel Gesellschaft der Ritter und Edelleute 1336 Haus Zum Rüden Website
Zunft zur Saffran Zunft der Händler vor allem Textil-, Eisenwaren-, Lebensmittel– und Gewürzhändler 1336 Zunfthaus Zur Saffran Website
Zunft zur Meisen Zunft der Weinhändler, Weinwirte, Sattler und Maler 1336 Zunfthaus Zur Meisen
Zunft zur Schmiden Zunft der Eisen-, Kupfer-, Silber– und Goldschmiede, Kannengiesser, Schlosser, Uhrmacher, Glockengiesser, Spengler und Ärzte (Bader und Scherer) 1336 Zunfthaus Zur Schmiden Website
Zunft zum Weggen Zunft der Bäcker und Müller 1336 Restaurant Weisser Wind Website
Vereinigte Zünfte zur Gerwe und zur Schuhmachern Zunft der Gerber und Schuhmachern 1336, Vereinigung der beiden Zünfte 1877 Hotel Savoy
Zunft zum Widder Zunft der Metzger und Viehhändler 1336 Hotel Widder Website
Zunft zur Zimmerleuten Zunft der Zimmerleute, Maurer, Wagner, Drechsler, Holzhändler, Steinmetze, Hafner und Rebbauern 1336 Zunfthaus Zur Zimmerleuten Website
Zunft zur Schneidern Zunft der Tuchausrüster, Kürschner und Schneider 1336 Zunfthaus Zum Königstuhl Website
Zunft zur Schiffleuten Zunft der Fischer und Schiffleute 1336 Hotel zum Storchen Website
Zunft zum Kämbel Zunft der Lebensmittelhändler und Weinfuhrleute 1336 Zunfthaus Zur Haue Website
Zunft zur Waag Zunft der Wollweber, Hutmacher, Leinenweber und Leinenhändler 1336, Vereinigung mit der Zunft der Wollweber und der Zunft der Leinenweber 1440 Zunfthaus und Restaurant Zur Waag Website
Stadtzunft 1867 Zunftstube: Hotel Marriott Website
Zunft Riesbach Zunft des Quartiers Riesbach 1887 Restaurant Zum Grünen Glas Website
Zunft Fluntern Zunft des Quartiers Fluntern 1895 (nur am Sechseläuten): Kunsthaus Restaurant Website
Zunft zu den Drei Königen Zunft des Quartiers Enge 1897 Kongresshaus, Dreikönigsaal
Zunft Hottingen Zunft des Quartiers Hottingen 1897 Zunfthaus Am Neumarkt
Zunft zu Wiedikon Zunft der Quartiers Wiedikon 1897 Gasthof zum Falken/Falcone Website
Zunft Wollishofen Zunft des Quartiers Wollishofen 1900 Restaurant Belvoirpark
Zunft Hard Zunft der Quartiere Aussersihl und Hard 1922 Restaurant Werdguet Website
Zunft Oberstrass Zunft des Quartiers Oberstrass 1925 Taverne zur Linde Website
Zunft St. Niklaus Zunft der Quartiere Affoltern, Oerlikon und Seebach 1933 Restaurant Carlton Website
Zunft Höngg Zunft des Quartiers Höngg 1934 Restaurant Mülihalde/Desperado Website
Zunft zur Letzi Zunft der Quartiere Altstetten und Albisrieden 1934 Restaurant Letzistube/Zum Turm Website
Zunft Schwamendingen Zunft des Quartiers Schwamendingen 1975 Gasthof Hirschen
Am Sechseläuten: Hotel Glockenhof
Website
Zunft Witikon Zunft des Quartiers Witikon 1980 Zunftstube: Restaurant Elefant
Am Sechseläuten: Hotel Schweizerhof
Website

Jede Zunft besitzt ein Zunfthaus oder eine Zunftstube, in der das ganze Jahr über die Anlässe und Veranstaltungen der jeweiligen Zunft stattfinden. Diese Zunftstuben liegen zum grössten Teil in der Zürcher Altstadt, einige Zünfte, besonders Quartierzünfte, besitzen mehr als ein Zunftlokal und beziehen am Sechseläuten auch ein Lokal in der Altstadt.

Datum

Das Datum des Sechseläutens wurde vom Stadtrat auf den dritten Montag des Monats April festgelegt. Fällt dieser Tag in die Karwoche, so wird das Sechseläuten am zweiten Montag abgehalten. Fällt der dritte Montag im April auf den Ostermontag, so wird das Fest auf den vierten Montag verschoben (Stadtratsbeschluss Nr. 1214 vom 13. Juni 1952).
Im Jahr 2001 wurde folgende Zusatzregelung eingeführt, welche 2008 zum ersten Mal zur Anwendung kommen wird: Fällt der nach den obenstehenden Regeln gefundene Termin in die Frühlingsferien der Volksschule oder in die Woche des 1. Mai, so wird ein Ausweichdatum gesucht.

Geschichte

Im Zürcher Sechseläuten verbinden sich brauchtümliche Elemente der Fastnacht und der Frühlingsfeste (Austreiben des Winters, Märzen- und Osterfeuer, Feier der Tagundnachtgleiche, Maibräuche) mit den Umzügen der Zünfte (Aschermittwochumzug der Metzger; Umzug der Schmidenzunft am Hirsmontag, sechs Wochen vor Ostern).

Zum Zeichen des Frühlings ist in Zürich am ersten Montag, welcher auf die Tagundnachtgleiche folgte, abends um 6 Uhr das erste Mal die Feierabendglocke beim Grossmünster geläutet worden, was Anlass für das Frühlingsfest war. Das Verbrennen eines Bööggs vor der Lindenhofmauer am Abhang gegen die Limmat fand schon im 18. Jahrhundert statt. Der „Böögg“ war ursprünglich eine vermummte Schreckgestalt; diese Bezeichnung ist in Zürich schon seit dem 15. Jahrhundert belegt. Bööggen sind Larven tragende oder sonst vermummte Personen, die Kinder erschrecken, Unfug treiben oder bettelnd durch die Strassen ziehen.

Im frühen 19. Jahrhundert verbrannten Buben im Kratzquartier (Fraumünsterquartier) Strohpuppen zur Zeit der Tagundnachtgleiche im Frühjahr. Aus dem Sechseläutenfeuer im Kratz, das seit 1868 ein Anwohnerverein organisierte, entwickelte sich die heutige Verbrennung des Bööggs. Auch verschiedene weitere Private verbrannten ihren Böögg, so z.B. brachten 1873 die Zöglinge der Zürcher Blinden- und Taubstummenanstalt eine von ihnen aus alten Kleidern und Stroh gebastelte Figur, die sie als Dieb bezeichneten, vor ihren Direktor und verbrannten sie nach dessen Urteilsspruch am Sechseläutentag.

Wurden im 19. Jahrhundert als verschiedenste Figuren an verschiedenen Orten „hingerichtet“, kennt das 20. Jahrhundert nur mehr die Vernichtung eines Schneemanns, der den Winter symbolisiert. Seit 1902 wurde der Böögg auf dem Platz der 1897 abgebrochenen alten Tonhalle verbrannt; 1947 hat der Stadtrat den Tonhalleplatz in Sechseläutenplatz umbenannt. Nur ein Mal ist im 20. Jahrhundert die Verbrennung nicht gelungen: 1923 war der Regen zu stark.

Da Frauen im offiziellen Sechseläuten-Umzug mit Ausnahme offiziell geladener Gäste seit 1952 nicht mehr mitmarschieren dürfen,[1] organisiert die Gesellschaft zu Fraumünster (Frauenzunft) einen eigenen Umzug, der eine halbe Stunde vor dem Zug der Zünfte auf der gleichen Route stattfindet.

Sabotage

  • 1921 wurde der Böögg frühzeitig von einem Knaben angezündet. Es heisst, dass Kommunisten ihn dazu angestiftet hatten.
  • 2006 wurde der Böögg von der Fertigungstätte in Stäfa entwendet. Der Bööggbauer wurde trotz fahrlässiger Lagerung von Sprengstoff nicht angezeigt. Ein Bekennerschreiben wurde von der Gruppe «1. Mai – Strasse frei» hinterlegt. Am Sechseläuten kam ein Ersatzböögg zum Einsatz, der eigentlich für den Kinderumzug gedacht war. Der originale Böögg tauchte an der Erst-Mai-Feier am Helvetiaplatz wieder auf, verschwand aber wieder. Einen Tag danach, am 2. Mai, wurde er von der Zürcher Kantonspolizei in einem Bunker eines Schulhauses in der Zürcher Innenstadt gefunden und in der Stadtgärtnerei untergebracht. Von dort ist er am 21. Mai zum zweiten Mal entwendet worden.

Unfälle

  • 1993 fiel der Böögg vom Stapel, bevor der Kopf explodierte. Helfer warfen den Kopf darauf ins Feuer.

Weitere Sechseläuten

Seit 2004 existiert auch im ebenfalls Zürcherischen Bassersdorf ein Sechseläuten. Der Partneranlass im kleineren Bassersdorf erfreut sich grosser Beliebtheit und wurde die ersten drei Male illegal durchgeführt.

Siehe auch

Weblinks

Wenn einer eine(r) eine Reise tut… Ägypten 1. Teil

Ich entschloss mich, wieder einmal alleine die Ferien im Ausland zu verbringen. In einem Land, für das ich schon sehr lange (als Kind schon) geschwärmt und mich dafür interessiert habe.Relativ kurzfristig habe ich mich für die Destination Aegypten, eine Schiffsfahrt auf dem Nil entschieden. Nun begann ich mich intensiv darauf vorzube­ reiten. Von einem guten Arbeitskollegen bekam ich einschlägige Fachliteratur über das damalige Aegypten.

Am Sonntag den 7. August 1988 war es dann endlich soweit. Der Airbus A 300 der ägyptischen Luftfahrtsgesellschaft Egypt Air startete fast pünktlich um 1600 Uhr in Zürich-Kloten, ­ Richtung Kairo. Nach ca. dreieinhalb Stunden landeteten wir.

Eine „aufgestellte“ Reiseleitung erwartete uns auf dem Kairo Airport. Endlich im Bus einge­ stiegen stellte sich unser Reiseleiter kurz vor und machte uns mit den wichtigsten Dingen der 12 Millionenstadt bekannt.

Zur Lebenseinstellung der Aegypter nachfolgende Erklärungen:

I B M

Inschallah Bukra Malesch

Ich will keine Schleichwerbung machen; sagte uns Markus, die drei Buchstaben IBM stehen nicht für das was Sie vielleicht denken.Tatsächlich steht der Buchstabe –I-für Inschallah, wenn Gott will, der Buchstabe –BBukra, Morgen und der letzte –M– für Maleseh, macht nichts. „Also wenn einmal etwas nicht so klappt, wie wir es gewohnt sind;­ steht für

zum Beispiel ein Flug auf 1000 Uhr angesetzt ist, Inschallah, so muss man sich eben nicht wundern wenn die Maschine erst um 1300 Uhr startet. Malesch! Regen Sie sich nicht auf, es lohnt sich nicht.“ Zum Verkehr meinte er folgendes:

In Kairo herrscht ein völliges Verkehrschaos. Mit den Verkehrsregeln nehmen es die Aegypter nicht so ernst. Ueberhaupt die Gesetze werden nach Lust und Laune befolgt. So besteht die Regel:

– Bei Rot kann man fahren.

– Bei Grün muss man fahren!

Ueberholen kann man auch wie man will. Man überholt einfach wo es Platz hat. Rechts oder Links spielt keine Rolle.

Andern Tags begaben wir uns auf die Stadtrundfahrt. Auf dieser lernten wir unsen regionalen Reiseführer Youssef kennen.

Zuerst standen die Pyramiden von Giseh auf dem Programm. Der Bus mühte sich durch das Kairoer Verkehrschaos hindurch auf die „Pyramidenstrasss“• Die Pyramidenstrasse ist eine schnurgerade Strasse. In der Mitte sind Pyramidenförmig geschnittene Bäume ge­ pflanzt worden.

Diese Strasse führt auch am Denkmal des unbekannten Soldaten vorbei, der Ruhestätte des 1981 ermordeten ägyptischen Staatspräsidenten Sadat. Und plötzlich tauchen die Pyramiden vor unseren Blicken auf.

Zunächst sehen wir die Cheopspyramide. Diese ist 146m hoch und besteht aus ca. 2 Millionen Steinen. Sie ist die grösste der drei grossen Pyramiden. Die drei Pyramiden zählten zu den sieben Weltwundern der Antike und sind von diesen die einzigen die noch übriggeblieben sind.

Nebst der Cheopspyramide sehen wir noch die mittlere „Chepfren“ und „Mykerinos“ die letztere ist die kleinste der drei Grossen.

Von der imposanten Cheopspyramide aus ritten wir auf einem Kamel (Dromedar) zur Sphinx hinunter. Dies war ein einmaliges Erlebnis. „Hoch zu Kämel hat man das Gefühl, man sei auf hoher See“. Für seekrankgefährdete ist dieser Ritt also nicht zu empfehlen.

In einem Restaurant auf der Terrasse erfrisch­ ten wir uns mit einem kühlen Getränk, und bestaunten den Sphinx. Diese stellt den Pharao Chephren in der Gestalt eines Löwen dar. Die Gesamtlänge dieses Werkes beträgt 73,5m und die Höhe 20m.

Anschliessend fuhren wir zu einem bekannten Papyrusinstitut in Gizeh. Dort sahen wir einer AngstelIten zu, wie man Papyrusblätter her­ stellt, auf denen nachher kunstvolle Bilder gemalt werden. Diese Bilder werden vor allem von Studenten hergestellt. Man hatte auch die Möglichkeit solche Papyrusbilder zu kaufen. Zu jedem Bild, das man in einem solchen In­stitut kauft, erhält man noch ein Echtheitszertifikat das von der Regierung beglaubigt ist.

Am frühen Nachmittag besichtigten wir das ägyptische Museum Kairo. Dieses wurde 1857 vom französischen Aegyptologen Auguste Mariette (1821- 1881) gegründet. Es beinhaltet die grösste und bedeutendste Sammlung von ägyptischen und griechisch-römischen Altertümern aus den Niltal. Unter anderem den berühmten Grabschatz von Tutanchamun (18. Dynastie) sein Grab wurde 1922 von einem Engländer Namens Howard Carter entdeckt. Diese Pracht muss man gesehen haben, wenn man schon einmal im ägyptischen Museum st. Der goldene Kanopenschrein in dem die Eingeweiden des Toten in Alabastertöpfen aufbewahrt werden, ist nur ein Beispiel. Früher gab man dem Toten den ganzen Haushalt mit ins Grab. Alles was ihm gehört hatte, zum Beispiel auch seine Kinderspielsachen. Es gäbe noch viel zu erzählen von diesem grossen und sehenswerten Museum, doch würde dies einige Seiten füllen. Am besten Ihr geht selbst mal dorthin.

Der Abschluss dieser Stadtrundfahrt bildete der Besuch des Basars Khan al Kalili im alten Stadtteil von Kairo. Er ist einer der schönsten Basare des Orient, mit seinen kleinen Gäss­ chen und den kleine Geschäften kommt man sich vor wie zur Zeit von 1001 Nacht.

Am nächsten Tag flogen wir am Vormittag ab nach Assuan, in Oberägypten. Dies bedeutete für uns auch eine klimatische Veränderung. Als wir in Assuan aus dem Flugzeug ausstiegen schlug uns ein feuchtheisser Wind entgegen. In Sekundenschnelle waren alle „pflatschnass“. Am Himmel sahen wir ziemlich grosse Wolken. Was das zu bedeuten hatte teilte uns Youssef im Car mit: “ Heute können wir mit dem Flugzeug nicht mehr nach Abu Simbel fliegen, da sich ein Sandsturm angekündigt hat. Vielleicht ist das Wetter morgen wieder besser“

Nachdem wir uns auf unserem Schiff „Sheraton Anni“ eingeschifft hatten, nahmen wir das Mittagessen ein und machten uns nachher wieder auf den Weg um den unvollendeten Obelisken zu besichtigen. Dieser wäre ca. 42m hoch, wenn er aufrecht stehen würde. Doch wie der Name schon sagt, ist er nicht vollendet worden. Er liegt in einem Steinbruch in der Nähe der Stadt Assuan. Eine grosse ägypti­ sche Königin, Hatschepsut wollte diesen für einen Tempel in Luxor herstellen lassen. Sie wurde jedoch vor der Vollendung ermordet.

Weiter ging es dann mit den Feluken (kleinen Segelbooten die schon die alten Aegypter kannten), zu den Philae Inseln.

Das Wetter wurde immer schlechter und der Himmel immer dunkler. Auf einmal blitzte und donnerte es. Kaum waren wir im Isistempel, fing es an in Strömen zu regnen. Wie uns Youssef mitteilte, hatte es in diesem Gebiet seit acht Jahren nicht mehr geregnet. Viele Einheimische befürchteten, dass ihre Häuser nach den Sintflutartigen Regenfällen in sich zusam­ menfallen würden, da diese ausschliesslich aus Nilschlamm gebaut worden sind. Für uns war es auf eine Art und Weise etwas Besonde­res, gerade zu diesem Zeitpunkt dort zu sein.

Wenn einer eine(r) Reise tut… Ägypten – Einleitung

Vor bald zwanzig Jahren bereiste ich zum ersten Mal das Land der Pharaonen. Ein Land, das bis heute für mich seine Faszination nicht gemildert hat. Zumal ich auch seit 17 Jahren verwandschaftliche Beziehungen in Ägypten pflege.

Das Land hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten rasant entwickelt. Zum einen Teil positiv – zum andern Teil negativ. Der Mittelstand ist nicht mehr so breit wie früher. Die Lebenskosten sind enorm gestiegen und die Armut hat sich leider vergrössert. Allerdings auch der Reichtum. Es wurden in den 90iger Jahren diverse „Satelitenstädte“ gegründet, welche heute mit Grosskairo verbunden sind. Die Stadt am Nil wird zunehmends grösser. Wenn man vor 15 Jahren von der Mitte Kairos (Gizeh) nach 6. Oktober City wollte, war dies eine mehrstündige Reise, welche bei den Pyramiden von Gizeh vorbeiführte. Heute gibt es eine Schnellstrasse. Die Fahrt dauert nunmehr 15 – 20 Minuten je nach Tageszeit.

Im August werde ich mich nach fünf Jahren wieder mal für 14 Tage in diesem interessanten und spannenden Land aufhalten, um meine Schwiegermutter vielleicht zum letzten Mal zu sehen und eine schöne Zeit mit meinen geliebten ägyptischen Familie zu geniessen. Mein Ziel ist am 8.8.2008 ins ägyptische Museum zu gehen, welches ich am 8.8.1988 zum ersten Mal besuchte.

Nach meiner 1. Ägyptenreise, wurde ich von einer Jugendzeitschrift (ich war damals auch im Redaktionsteam als Redakteurin tätig) gebeten einen Bericht über diese Reise zu verfassen. Erfüllt von der damals schönsten Reise in meinem Lebens, wurde der Artikel sehr lang. So dass er in mehreren Folgen veröffentlicht wurde.

Für meine Leserinnen und Leser dieses Blog, welche am Land der Pharonen interessiert sind, will ich diesen Bericht in mehreren Folgen zugänglich machen. Die Meinungen und Ansichten sowie die Eindrücke, welche ich in diesem doch schon bald 20jährigen Bericht beschreibe sind subjektiv und von meinen Gefühlen, welche ich als damals 24 Jahre junge Frau hatte.


Viel Spass!

Zart und schüchtern

Zart und schüchtern erblickt


eine Schönheit das Licht der Welt.


Sie hat die holde und wunderbare Aufgabe


Menschen mit ihrem wunderbaren


Duft und ihrem schönen Anblick zu verwöhnen


und die Seele mit Liebe zu beschenken.



©Swisspoesia 7.4.08

Gute Gedanken

Gute Gedanken in die Welt senden heisst:

andere glücklich machen.

Gute Gedanken im Herzen tragen

heisst: sich selbst bereichern.

(Christin Astra)