Frau Burkhalter First Lady der Schweiz und der schlechte Start ihres Gatten als Bundesrat

Die Schweizer Boulvardpresse geht in Sachen Bundesratsgatttinnen neue Wege.  Traditionellerweise hält sich eine Bundesratsgattin in der Schweiz im Hintergrund. Die Frau war bei Bundesratswahlen lediglich eine Randnotiz. Bei der diesjährigen Wahl eines Mitgliedes in die Landesregierung, ist nun alles anders.

Am 16. September wurde der freisinnige Neuenburger Ständerat Didier Burkhalter dank Hilfe der SVP im 4. Wahlgang in den Bundesrat gewählt. Er gilt als farblos. Da dieser inhaltlich etwas Langweiliges und Fades an sich hat, (ich kenne ihn nicht) suchten Blick und TA Media,  um was Interessantes an diesem Mann zu finden. Und sie wurden, wie es sich für Journalisten der unseriösen Presse gehört,  fündig.

Die Klatschpresse, die ja immer oberflächlich und dumm daher kommt, (leider zähle ich mittlerweile auch den Tagi als Boulvardorgan), zählt nur das Optische. Und da hat der Neue doch noch was zu bieten. Er sieht gut aus, ist elegant gekleidet und er hat eine Frau. Auch sie elegant und korrekt gekleidet, wie es sich für eine Magistratengattin geziemt. Die Dame hat einen sehr speziellen Namen. Sie heisst Friedrun Sabine, ist 42 Jahre alt und stammt aus Österreich. Sie ist mit ihrem Didier seit 23 Jahren verheiratet. Das Paar hat drei Söhne. Eigentlich ist dies nicht sonderlich spektakulär. Doch spektakulär oder sonderlich ist die von Blick und Tagi Stilisierung von Frau Burkhalter. Sie wird als neue First Lady des Staates gekürt und mit Carla Bruni und Michelle Obama verglichen und gleichgestellt. Vom Kleidungsstil und ihrem Chic kann man sie mit den beiden wirklichen First Ladies Frankreichs und der USA vergleichen. Nur was die First Lady angeht, sieht es in der Schweiz etwas anders aus. Offenbar wissen die „pfiffigen“ und fündigen Journalisten dies nicht. Ich unterstelle ihnen mal ein Fehlen beim Staatskundeunterricht, interessanter Fensterplatz in der Schule oder einfach Vergesslichkeit.

Die Schweiz hat kein eigentliches Staatsoberhaupt in der Form einer einzelnen Person. Das Staatsoberhaupt der Schweiz ist der Gesamtbundesrat, welcher aus sieben Personen besteht. Wie der Name schon sagt kann nur eine Frau die erste Frau sein. Somit wird  es ein wenig schwierig. Zudem der Gesamtbundesrat aus vier Männern und drei Frauen besteht. Auf Grund der Gleichstellung, die nicht nur für Frauen sondern auch für Männer gilt, müsste es dann eigentlich vier First Ladies und drei First Gentlemen geben. Das geht  nicht!

Zurzeit darf sich bis Ende Jahr allerdings doch eine Frau erste und höchste Schweizerin nennen. Es handelt sich um die Tessiner CVP-Nationalratspräsidentin Frau Chiara Simoneschi-Cortesi. Ich bin mir jedoch sicher, dass Frau Simoneschi-Cortesi sich nicht als First Lady sieht. Auch wenn sie zu Beginn ihres Amtsjahres als Nationalratspräsidentin, das Glöcklein ab und zu zuviel läutete und Parlamentarier zum Teil zu unrecht rügte. Ihr wünsche ich persönlich noch viel Kraft ihr Amt bis Ende Jahr zu bewältigen. Sie hat ihren geliebten Lebenspartner vor kurzem verloren. Daher wünsche ich ihr auch viel Trost und Zuversicht in dieser für sie schweren Zeit. Ihre Tapferkeit, die sie an den Tag legt, berührt mich.

Selbstverständlich wünsche ich auch Frau F. S. Burkhalter als immerhin Bundesrats Gattin alles Gute! Es ist für sie sicherlich nicht einfach, so von heute auf morgen ins Lampenlicht gerückt zu werden. Und von Journalisten umgeben zu sein, die sich zu sehr für ihre Herkunft und ihr privates Leben interessieren und es in die Öffentlichkeit bringen. Ihrem Gatten dem gewählten und im Moment noch nicht amtierenden Bundesrat Didier Burkhalter wünsche ich ebenfalls alles Gute, Kraft, Weisheit für sein nicht einfaches Amt und Departement EDI.

Leider beginnt seine Bundeseratskarriere nicht optimal. Sein FDP-Parteisekretär, Stefan Brupbacher brachte ihn und die Partei bereits in eine höchst unangenehme Situation. Er erpresste das Schweizer Staatsfernsehen, indem er die Ausladung eines Gastes in der Politiksendung „Arena“ diktierte. Man wolle über Didier Burkhalter reden und der auszuladende Gast, der Chefredaktor und Verleger der Weltwoche,. Roger Köppel sei ein  Gegner der FDP.  Das löste bei mir ein Kopfschütteln aus. Würde ich sagen Brupbacher sei ein FDP-Hofnarr, wäre ihm zuviel Ehre angetan. Denn Narren sind klug. Herr Brupbachers Strategie und ungerechtfertigte Besorgnis  jedoch ist dumm. Roger Köppel war zwar in der Sendung „Arena“ nicht anwesend, dafür jedoch Tagesgespräch. Sein Name wurde an diesem Tag vermutlich öfters als derjenige von Didier Burkhalter verwendet. Es war keine gute Werbung für die FDP und den neuen Bundesrat. Die Erpressung kommt eher einem Verlustgeschäft nahe. Kredit wurde vernichtet und vielleicht der eine oder andere Wähler abgesprungen oder das eine oder andere FDP-Parteibüchlein annulliert.

Anders sieht es für den Geschmähten aus! Für Roger Köppel ist die Ausladung ein Gewinn. Die Ausladung war beste Werbung für den geistreichen und intelligentesten und kritischen Journalisten in unserm Land. Zumal er offenbar am Abend vor der Sendung „Arena“ noch ein Werbespot schaltete: «Was ich heute in der Arena nicht sagen darf, lesen Sie in der nächsten Weltwoche. Herzlich, Ihr Roger Köppel.»

Ich bin überzeugt, dass die nächste Ausgabe „Die Weltwoche“, welche jeweils am Donnerstag erscheint, ein absoluter Renner sein wird. Der Weltwoche werden sicher auch etliche neue Abonnenten sicher sein. Als Abonnentin freue ich mich jetzt schon auf die nächste Ausgabe!

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3 Antworten

  1. Sehr geehrte Frau Swisspoesia – oder Herr Swisspoesia
    Herrn Köppel als den intelligentesten Journalisten unseres Landes zu bezeichnen ist gerade so fatal und illusorisch, wie von Ihnen richtig festgehalten, Frau Burkhalter als First Lady zu bezeichnen. Herr Burkhalter wollte wahrscheinlich nicht, dass man die Sache so darstellt, als würden Köppel und er gemeinsam in der Arena auftreten. Ausserdem hat die Weltwoche ihn – Herrn Burkhalter – nicht gerade in vorteilhafter Weise dargestellt – und dies noch vor den Bundesratswahlen. Herrn Köppels Ehegattin – die First Lady der Weltwoche sozusagen – haben wir übrigens noch nie zu Gesicht bekommen. Warum wohl? Vielleicht wäre es an der Zeit, wenn Köppel einmal gemeinsam mit seiner Frau auftreten wurde, anstatt danach zu schielen, mit dem gut aussehenden Bundesrat Burkhalter in der Arena das FDP-Paar spielen zu wollen. Burkhalter hat richtig entschieden – ich sage dies vor dem Hintergrund der schlechten Presse, die die Weltwoche im Vorfeld der Wahlen über ihn brachte – es wirkte nicht gerade FDP-freundlich.
    Die Weltwoche ist ein Schlechtwetterprogrammheftli – eines, das ich früher gerne las, und von dem ich mich von Monat zu Monat mehr frage, ob wir dieses Blatt nicht einfach krank schreiben lassen sollen; Diagnose: Selbstherrrlichkeit.
    Ich wünsche Swisspoesia auch alles Gute – und vor allem besseren Journalismus

  2. Das ist das Schöne in unseem Land! Wir dürfen verschiedener Meinung sein. Jeder hat seine Wahrnehmung. Und man kann die Dinge so sehen wie man will.

    Ich schätze sehr, dass Herr Köppel sein Privatleben und seine Familie vor der Öffentlichkeit schützt.

    Besseren Journalismus wünschte ich mir auch. Denn es herrscht in der Schweiz zurzeit eine zu grosse Einfälltigkeit. Daher lese ich auch die Weltwoche.

    Ihnen ebenfalls alles Gute!

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