11.02.11 Der Tag der friedlichen Befreiung Ägyptens

Die vier Präsidenten Ägyptens: Nagib, Nasser, Sadat, Mubarak

Der Letzte – Mubarak –  lebt noch und darf sich nun ehemaliger Präsident nennen 🙂

Beharrlich und friedlich, sowie geduldig demonstrierte das ägyptische Volk während achtzehn Tagen gegen das autokratische Regime von Staatspräsident Hosni Mubarak.

Trotz vieler Schwierigkeiten, liessen es sich die Leute nicht nehmen, täglich in Kairo auf den Platz der Befreiung – Midan Tahrir – zu gehen. Viele richteten sich dort sogar ein Lager mit kleinen Zelten ein. Sie hatten ein Ziel erst wieder wegzugehen, wenn Hosni Mubarak zurück- und weggetreten ist. Sie organisierten sich untereinander, teilten Essen und Trinken. Sammelten den Müll ein und machten sauber. Sie skandierten „Es ist genug!“ und „Mubarak hau ab!“ Als gedungene und von Mubarak bezahlte Anhänger sie brutal und mörderisch attackierten, konnten sie sich nicht gleichermassen wehren, denn sie waren alle unbewaffnet. Nur Steine konnten sie als Verteidigungswaffe gebrauchen. Leider mussten viele ihr Leben für eine grosse Sache lassen.

Ein Freund, der zurzeit in der Nähe von Ismāilia bei seiner alten Mutter weilt, berichtete mir am Telefon, das sein Dorf von Mubarak-Anhänger überfallen und siebzehn Mensch erschossen worden sind. Die Muslimbruderschaft gründete dort gleich eine Bürgerwehr und bewacht nun die Häuser. Ich bat ihn auf sich aufzupassen und freue mich, wenn er wieder zurück in die Schweiz käme. Er sagte mir, er wünsche sich dies auch, und hoffe, dass er nicht auch noch erschossen werde. Doch die Armee kam und schützte im ganzen Land  die Bevölkerung. Es bildeten sich überall Bürgerwehren, welche Häuser, Hab und Gut schützten und das Militär blieb ruhig und neutral. Das Militär war in diesem Tagen eine Vertrauensmacht, welche die Kontrahenten nach den blutigen Attacken mit Panzern auseinanderhielt.

Am letzten Sonntag beteten Christen und Moslems gemeinsam für einen Wechsel und eine neue Ära der Hoffnung. Das Volk zeigte gerade an diesem Sonntag, dass Christen und Moslems sehr wohl friedlich zusammenleben und gemeinsam Leiden und nach demokratischer und gesetzlicher Rechte dürsten. Auch in meiner Familie, welche muslimisch ist, wird der Respekt gegenüber Christen wie mich gelebt.

Das Verhalten der ägyptischen Bevölkerung und die vielen Geschichten um diese friedvolle Revolution, welche leider auch Opfer, menschlichen und persönlicher Leiden kostete, bestätigen meinen Eindrücke aufs Neue. Sie liessen sich trotz perfiden Angriffen und Störungen und Drohungen seitens Mubaraks und dessen Entourage nicht ins Bockshorn jagen. Sie wendeten nie Gewalt an und zeigten somit, dass ein Volk auch ohne grosses Blutvergiessen sein Ziel erreichen kann. Die Ägypter sind  friedlich und sozial kultiviert.  Jeder hilft dem anderen. Untereinander lässt man sich nicht im Stich. Die Menschen sind füreinander da. Sie sind, so wie ich es dort immer erlebe herzensgut und empathisch. Die Art wie Ägypten ihren Herrscher zum „Teufel“ schickte zeigt, wie intelligent dieses Volk im Grunde genommen ist. Das macht Ägypten so sympathisch.

„Geduld ist der Schlüssel der Freude“ besagt ein ägyptisches Sprichwort.

Heute am 11.02.11 ist dieses Sprichwort zur wahren Gewissheit geworden. Das ganze Volk jubelt, freut und feiert! Ein wichtiger Schritt ist getan und weitere werden, müssen folgen. Die Euphorie wird dem Land grosse Energie verleihen. Auf einem TV-Sender hörte ich von Jungen, dass sie ihr Land innerhalb eines Jahrzehnts in ein Paradies verwandeln wollen. Ich wünsche es den Ägyptern, meiner Familie und Freunden! Sie haben es verdient in eine interessante Zukunft voller Perspektiven und tollen Entwicklungen zu schreiten und das Land nach ihren Wünschen und Vorstellungen zu gestalten. Ich bin stolz auf Ägypten und die Ägypter. Meine guten Wünsche und Gedanken aber auch mein Herz begleiten meine Familie, Lieben, Freunde und die Bevölkerung dieses wunderbaren Landes.

Ägypten fesselt wie ein Krimi und betört wie ein teures Parfum.

Omar Sharif (ägyptischer Schauspieler)

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Erinnerung an eine kleine friedliche Welt

Es ist ein heisser, drückender Augusttag im Jahre 2008. Die Sonne brennt heiss auf das Land der Pharaonen. Ich sitze auf der Veranda in unserem Haus in 6. October City in der Nähe von Kairo. Es herrscht nachmittägliche Stille, welche nur durch das Gezwitscher der Tauben und anderen Vögeln durchbrochen wird. Während der Gärtner unseren Garten in welchem sich diverse mit Früchten behangenen Bäumen und Pflanzen befinden, mit Wasser erfrischt, baumelt meine Seele friedlich hin und her. Ich geniesse es nicht denken zu müssen und meine Gedanken mal einfach sein zu lassen und ruhig bei einem heissen, mit drei Stück Zucker gesüssten „Shai bil Nana“ (Schwarztee mit Pfefferminz) zu geniessen. Es scheint beinahe so, wie wenn die Zeit an diesem friedlichen Nachmittag still steht. Doch irgendwann ruft der Muezzin die Gläubigen zum Nachmittagsgebet. Der Ruf hat irgendwie etwas ruhiges und einlullendes an sich. In arabischen Ländern höre ich ihn sehr gerne. Es würde mir fehlen, wenn es ihn nicht gäbe.

Von der Küche her, höre ich  Koranrezitationen, welche aus dem Radio ertönen. Sie passen einfach ins Bild der traditionellen ägyptischen Küche. Das Hausmädchen Farha ist bereits mit Kochen und Zubereiten von feinen Speisen beschäftigt. Ein paar Kinder helfen ihr dabei und lernen so das Kochen. Sie plaudern dabei fröhlichen und lachen miteinander. Inzwischen geniesse ich eine Shisha mit Apfeltabak und höre das Lied  „Alf Leila wa Leila“ – „Tausend und eine Nacht“. Es ist ein Lied von Umm Kaltshum, einer der besten Sängerinnen, die Ägypten je hervorgebracht hat. Mir gefällt die blumige und poetische Sprache jedoch auch die emotionale und ausdrucksstarke Stimme dieser Sängerin, die mich für Momente in eine romantische, orientalische Welt entführt.

So endet langsam ein ruhiger, beschaulicher und friedlicher Nachmittag an einem August im Jahre 2008 in einer kleinen Welt irgendwo in 6. October City am Rande der arabischen Wüste, welche sich während des Sonnenuntergangs  in ein besonderes Licht verwandelt. Es ist ein Licht, welches Frieden und Ruhe verbreitet und ich dort auf ganz besondere Art und Weise wahrnehme, wie sonst nirgends.

„Geduld ist der Schlüssel zur Freude.“ – Ägyptische Sprichwörter für das aktuelle Ägypten

Ägypten ist zurzeit im Umbruch. Die ägyptische Bevölkerung hat genug von Unterdrückung . Die Zeiten der Pharaonen sind vorbei. Die Bevölkerung Ägyptens hat es verdient eine bessere Zeit zu haben und sich wieder voll und ganz zu entwickeln. Es liegt viel Potential in diesem Lande, dass nun endlich und unbedingt genutzt und bewirtschaftet werden sollte. Das Land war früher die Kornkammer der Welt. Es wäre Zeit, wieder in diese Richtung zu gehen. Für viele junge Menschen voller Energie, Fleiss, Innovation und Intelligenz würden sich neue glückliche Perspektiven eröffnen.

Meine Gedanken sind täglich bei den Menschen die sich –  abgesehen von den störenden und bezahlten Horden des Präsidenten Hosni Mubarak – für eine neue Regierung und Ära in diesem Land einstehen. Mit ihrer Präsenz auf dem „Midan Tahrir“ (auf deutsch: „Platz der Befreiung“) tun sie dies mit aller Vehemenz kund! Ich wünsche dem ägyptischen Volk viel Glück und Geduld für ein künftig neues wundervolles und glückliches Ägypten zu kämpfen und zu realisieren!

Zur Ermunterung ein paar Zitate und Weisheiten aus dem alten Ägypten,  welche gerade jetzt gerade wieder sehr aktuell erscheinen:

 

 

„Geduld ist der Schlüssel zur Freude.“


„Die Hoffnung treibt den Menschen jeden Tag zu neuem schaffen an“

Fürchte dich nicht, das zu tun, wobei du dich im Recht fühlst“

„Folge deinem Herzen, solange du lebst,
tue nicht mehr, als verlangt wird.
Verkürze nicht die Zeit der Muße,
denn deinem Ka ist es ein Greuel,

wenn du nicht auf die Stimme deines Herzen hörst.
Vergeude nicht den Tag
durch übertriebene Sorge für dein Haus.
Was auch geschieht, folge deinem Herzen.
Die Dinge gedeihen nicht besser,
wenn du es vernachlässigst.“
Ptahhotep


„Verbrüdere dich nicht mit einem Mann von üblen Wesen, selbst wenn er ein hoher Beamter ist.“

Ani

„Begünstige nicht den, der gut gekleidet ist,
ziehe aber auch nicht den vor, der in Lumpen geht.
Nimm kein Geschenk von einem Mächtigen an,
und sei nicht um seinetwillen ungerecht gegen einen Schwachen.“

Amanemope


 


Du bist die Liebe انت الحب

Nach langer Zeit stelle ich wieder einmal eine Übersetzung eines bekannten Liedes der berühmten ägyptischen Sängerin Umm Kultuhm ein. Dr. Mohamed Abdel Aziz hat die wunderbaren Worte dieses Lieder übersetzt und im ersten Band (1997) „Reise durch die Welt der arabischen Poesie“ veröffentlicht.

Das Lied wurde von  Ahmad Ramy verfasst:


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Du bist die Liebe انت الحب


Wie viele Herzen um dich herum träumen

und wünschen sich sehnlichst,

eines Tages dich zu beglücken.

Doch mein Herz ist bereits im Besitz

Dich zu erfreuen und dich zu beglücken,

so wie es der Liebe geziehmt.


Wie lange ist die Nacht zwischen Wachen und Klagen.

Wenn ich die Argwöhnischen tadeln höre,

lache ich nur zutiefst verletzt.

Nie klage ich deiner Liebe wegen,

obwohl mein Verlangen nach dir

mein Herz zerreisst.

Eifersüchtig bin ich auf jene, die dich lieben

und deine Neigung schüren mehr als ich.


Beim ersten Blick schon wusste ich,

dass unser Weg die Liebe ist.

Mir sagte mein Herz als ich nach dir fragte,

die Hölle deiner Liebe ist das Paradies

und ich glaubte was es mir sagte.

Doch deine Liebe hat mich ratlos gemacht

und die Nacht deiner Entfernung lässt mich wachen.


Meine Tränen fliessen

ob du mich verlässt, mich vergisst oder an mich denkst.

Nie klage ich deiner Liebe wegen,

obwohl das Verlangen nach dir mich zerreisst.

Eifersüchtig bin ich auf jene, die dich lieben

und deine Neigung schüren mehr als ich.


Ob liebend nahe oder fern von dir,

ersehne ich mir deine Gegenwart

und halte deine Härte aus.

Auch wenn du weggehst,

bewahre ich dein Versprechen

und bleibe dir verbunden,

sinnend über dein Wesen

und all die gesprochenen Worte zwischen uns.

Obwohl du dich abgesondert hast,

leben meine Gedanken durch dich.

Du bist mir gegenüber und ich vermisse dich

und wenn du fortgehst sorge ich mich um dich.

Meine Nächte vergehen

Zwischen Hoffnung und Zweifel.

Durch deine Liebe, mein Treuer,

wird alles mir möglich hinzunehmen.

Du bist mir gegenüber und ich vermisse dich

und wenn du fortgehst sorge ich mich um dich.


Sehe ich jemanden dich lieben ,

heftig und behutsam , so wie ich,

dann möchte ich reden mit ihm von dir,

um zu wissen, was ihm geschehne ist und mit deiner Liebe

und wie er sie bewahrt.

Ich frage mich, wenn er getrennt von dir ist,

ob er sich auch nach dir sehnt, gleich mir,

und meine Liebe steigt im Herzen auf.

Wie könnte ich je dich entbehren,

noch einem andern mich zuwenden als dir.


Die Hoffnung nach dir belebt mich durch ihr Strahlen,

Nie werde ich einen Augenblick vergessen,

du bist das Verlangen dessen Stimme ich lausche,

immer wenn du dich entfernst von mir.

Du bist die Liebe ohnegleichen,

ob sie mich glücklich oder elend macht.

Wenn einer eine(r) eine Reise tut…. Ägypten 2. Teil

Nach der Besichtigung des griechisch-römischen Tempels und des Trajan Kioskes, welcher von Kaiser Trajan gebaut worden ist, führen wir zurück an Land. Zu diesem Tempel ist noch folgendes zu sagen: Er befindet sich nicht mehr am ursprünglichen Standort. Durch die Erbauung des Assuan Staudammes „Sadd el Ali“ wurde ein riesiges Gebiet Nubiens überflutet. Der Trajan Kiosk ist in den Jahren 1972 – 1980 auf die höhere Insel Agilka versetzt und trocken gelegt worden.

Nachdem wir wieder an Land gesegelt waren, stiegen wir in den Car und wurden auf den berühmten Hochdamm „Sadd el Ali“ gefahren. Hoch auf der Dammkuppe hat man einen herrlichen Ausblick auf den Stausse – den „Nassersee“. Auf der anderen Seite sieht man den 1. Nilkatarakt (eine Stromschnelle).

Der Damm ist 1972 von den Sowjets gebaut worden. Die massive Aufschüttung ist hat ein Volumen von 42.7 Mrd. cbm (17mal das Volumen der Cheobspyramide). Schotter, Geröll und Sand, mit Lehmdichtungskern und Betonmaterial, in einer Gesamtlänge on 3600m, die den hier ursprünglich etwa 500m breiten Nil aufstaut. Seine Stärke beträgt 980m an der Sohle und verjüngt sich auf 40m an der Krone. Die Dammhöhe beträgt 111m, die Krone liegt 196m über dem Meerespiegel. Das durchschnittliche Fassungsvermögen des Stausees liegt bei 135Mrd. cbm. Der gestaute See ist übrigens der grösste künstliche See der Welt!

Durch den Bau dieses Dammes können die Fellachen (ägyptische Bauern) ihre Felder im Jahr mehrmals bebauen und die Ernte wird somit auch grösser. Ebenfalls dient der Damm als einer der wichtigsten Stromlieferanten Ägyptens.

Andern Tags Tagwache 02.30 Uhr

Ja richtig! Um halb drei Uhr morgens durften wir aus den Federn.

Durch den Sandsturm der am Vortag gewütet hatte, fiel der Flug nach Abu Simbel aus. Dank dem Einsatz unserer Reiseleiter Markus und Youssef hatten wir die Möglichkeit mit dem Car nach Abu Simbel zu fahren.

Die Distanz von Assuan nach Abu Simbel beträgt ca. 280km. Dies bedeutete kanpp 4 Stunden Fahrt mit dem Reisebus. Auch dies ist zu einem einmaligen Erlebnis geworden. Der Bus führte uns durch die westliche, arabische Wüste – auch Sahara genannt. Wir waren Zeugen, wie die Wüste langsam erwachte und die Gluthitze immer grösser wurde. Es war unbeschreiblich!

Wir waren an diesem Morgen in Abu Simbel die ersten Touristen. Der Tempelwächter öffnete uns die Tore mit einem Schlüssel, welcher die Form eines Henkelkreutzes hat. Das Henkelkreuz hatte im alten Ägypten eine besondere Bedeutung: Es symbolisiert Ober- und Unterägypten. Es wurde auch als Kreuz des Lebens angesehen. Nun wisst Ihr, woher das Kreuz usprünglich herkommt.

Nun zu diesem gewaltigen Tempel in Abu Simbel:

Dieser wurde zur Zeit der 19. Dynastie unter Ramses II. errichtet. Ramses II. ist der berühmteste Pharao des alten Ägyptens. Er liessim ganzen Lande monumentale Bauwerke errichten. Abu Simbel ist das grösste Werk von allen! Dieses wurde 1964 durch die UNESCO aus den Fluten des Nassersees gerettet. Der Tempel steht heute 65m höher und 180m weiter landeinwärts. Heute sieht man von aussen nicht mehr, dass dieses Bauwerk versetzt wurde. Doch hinter dem Tempel wurde eine riesiege Betonkuppel als Stütze errichtet. Nebst dem grossen Tempel gibt es in Abu Simbel noch einen Kleinen. Diesen widmete Ramses II. seiner Lieblingsfrau „Nefertari“. Da der Tempel nie einem König oder eine Königin geweiht werden durfte, weihte Ramses II. diesen der Liebesgöttin Hathor. Ramses II. regierte während ca. 67 Jahren und stellte unter anderem 200 Kinder auf die Welt. Wirklich tüchtig!

Nachdem wir durch die Betonkuppel hinter dem Tempel gegangen sind – sie ist wirklich sehr gross – fuhren wieder durch die Wüste Sahara zurück nach Assuan. Obwohl wir im klimatisierten Bus sassen, sahen wir etlche Fata Morganas. Einmal sahen wir das Skelett eines verdursteten Kamels am Strassenrand liegen. Ebenfalls stehen in der Wüste viele Ölfässer herum. Von Umweltschutz halten die Araber offenbar nicht soviel.

Gegen Mittag kamen wir in Assuan an und begaben uns auf das Hotelschiff. Bald legte „Sheraton Anni“ ab in Richtung Kom Ombo. Unterwegs wütete wieder ein Sandsturm und zwar so stark, dass er quer über den 300m breiten Nil reichte. Die Schiffsbesatztung war in voller Aufregung, denn so etwas hatten sie noch nie erlebt. Bei diesem Sturm sank etwas nördlich – in Edfu – ein Schiff. Es kamen dabei 38 Mensch (vor allem italienische Touristen) ums Leben.

Nach einer ca. zweistündigen Fahr auf dem Nil tauchte der Doppeltempel von Kom Ombo in der Ferne auf.

Wenn einer eine(r) eine Reise tut… Ägypten 1. Teil

Ich entschloss mich, wieder einmal alleine die Ferien im Ausland zu verbringen. In einem Land, für das ich schon sehr lange (als Kind schon) geschwärmt und mich dafür interessiert habe.Relativ kurzfristig habe ich mich für die Destination Aegypten, eine Schiffsfahrt auf dem Nil entschieden. Nun begann ich mich intensiv darauf vorzube­ reiten. Von einem guten Arbeitskollegen bekam ich einschlägige Fachliteratur über das damalige Aegypten.

Am Sonntag den 7. August 1988 war es dann endlich soweit. Der Airbus A 300 der ägyptischen Luftfahrtsgesellschaft Egypt Air startete fast pünktlich um 1600 Uhr in Zürich-Kloten, ­ Richtung Kairo. Nach ca. dreieinhalb Stunden landeteten wir.

Eine „aufgestellte“ Reiseleitung erwartete uns auf dem Kairo Airport. Endlich im Bus einge­ stiegen stellte sich unser Reiseleiter kurz vor und machte uns mit den wichtigsten Dingen der 12 Millionenstadt bekannt.

Zur Lebenseinstellung der Aegypter nachfolgende Erklärungen:

I B M

Inschallah Bukra Malesch

Ich will keine Schleichwerbung machen; sagte uns Markus, die drei Buchstaben IBM stehen nicht für das was Sie vielleicht denken.Tatsächlich steht der Buchstabe –I-für Inschallah, wenn Gott will, der Buchstabe –BBukra, Morgen und der letzte –M– für Maleseh, macht nichts. „Also wenn einmal etwas nicht so klappt, wie wir es gewohnt sind;­ steht für

zum Beispiel ein Flug auf 1000 Uhr angesetzt ist, Inschallah, so muss man sich eben nicht wundern wenn die Maschine erst um 1300 Uhr startet. Malesch! Regen Sie sich nicht auf, es lohnt sich nicht.“ Zum Verkehr meinte er folgendes:

In Kairo herrscht ein völliges Verkehrschaos. Mit den Verkehrsregeln nehmen es die Aegypter nicht so ernst. Ueberhaupt die Gesetze werden nach Lust und Laune befolgt. So besteht die Regel:

– Bei Rot kann man fahren.

– Bei Grün muss man fahren!

Ueberholen kann man auch wie man will. Man überholt einfach wo es Platz hat. Rechts oder Links spielt keine Rolle.

Andern Tags begaben wir uns auf die Stadtrundfahrt. Auf dieser lernten wir unsen regionalen Reiseführer Youssef kennen.

Zuerst standen die Pyramiden von Giseh auf dem Programm. Der Bus mühte sich durch das Kairoer Verkehrschaos hindurch auf die „Pyramidenstrasss“• Die Pyramidenstrasse ist eine schnurgerade Strasse. In der Mitte sind Pyramidenförmig geschnittene Bäume ge­ pflanzt worden.

Diese Strasse führt auch am Denkmal des unbekannten Soldaten vorbei, der Ruhestätte des 1981 ermordeten ägyptischen Staatspräsidenten Sadat. Und plötzlich tauchen die Pyramiden vor unseren Blicken auf.

Zunächst sehen wir die Cheopspyramide. Diese ist 146m hoch und besteht aus ca. 2 Millionen Steinen. Sie ist die grösste der drei grossen Pyramiden. Die drei Pyramiden zählten zu den sieben Weltwundern der Antike und sind von diesen die einzigen die noch übriggeblieben sind.

Nebst der Cheopspyramide sehen wir noch die mittlere „Chepfren“ und „Mykerinos“ die letztere ist die kleinste der drei Grossen.

Von der imposanten Cheopspyramide aus ritten wir auf einem Kamel (Dromedar) zur Sphinx hinunter. Dies war ein einmaliges Erlebnis. „Hoch zu Kämel hat man das Gefühl, man sei auf hoher See“. Für seekrankgefährdete ist dieser Ritt also nicht zu empfehlen.

In einem Restaurant auf der Terrasse erfrisch­ ten wir uns mit einem kühlen Getränk, und bestaunten den Sphinx. Diese stellt den Pharao Chephren in der Gestalt eines Löwen dar. Die Gesamtlänge dieses Werkes beträgt 73,5m und die Höhe 20m.

Anschliessend fuhren wir zu einem bekannten Papyrusinstitut in Gizeh. Dort sahen wir einer AngstelIten zu, wie man Papyrusblätter her­ stellt, auf denen nachher kunstvolle Bilder gemalt werden. Diese Bilder werden vor allem von Studenten hergestellt. Man hatte auch die Möglichkeit solche Papyrusbilder zu kaufen. Zu jedem Bild, das man in einem solchen In­stitut kauft, erhält man noch ein Echtheitszertifikat das von der Regierung beglaubigt ist.

Am frühen Nachmittag besichtigten wir das ägyptische Museum Kairo. Dieses wurde 1857 vom französischen Aegyptologen Auguste Mariette (1821- 1881) gegründet. Es beinhaltet die grösste und bedeutendste Sammlung von ägyptischen und griechisch-römischen Altertümern aus den Niltal. Unter anderem den berühmten Grabschatz von Tutanchamun (18. Dynastie) sein Grab wurde 1922 von einem Engländer Namens Howard Carter entdeckt. Diese Pracht muss man gesehen haben, wenn man schon einmal im ägyptischen Museum st. Der goldene Kanopenschrein in dem die Eingeweiden des Toten in Alabastertöpfen aufbewahrt werden, ist nur ein Beispiel. Früher gab man dem Toten den ganzen Haushalt mit ins Grab. Alles was ihm gehört hatte, zum Beispiel auch seine Kinderspielsachen. Es gäbe noch viel zu erzählen von diesem grossen und sehenswerten Museum, doch würde dies einige Seiten füllen. Am besten Ihr geht selbst mal dorthin.

Der Abschluss dieser Stadtrundfahrt bildete der Besuch des Basars Khan al Kalili im alten Stadtteil von Kairo. Er ist einer der schönsten Basare des Orient, mit seinen kleinen Gäss­ chen und den kleine Geschäften kommt man sich vor wie zur Zeit von 1001 Nacht.

Am nächsten Tag flogen wir am Vormittag ab nach Assuan, in Oberägypten. Dies bedeutete für uns auch eine klimatische Veränderung. Als wir in Assuan aus dem Flugzeug ausstiegen schlug uns ein feuchtheisser Wind entgegen. In Sekundenschnelle waren alle „pflatschnass“. Am Himmel sahen wir ziemlich grosse Wolken. Was das zu bedeuten hatte teilte uns Youssef im Car mit: “ Heute können wir mit dem Flugzeug nicht mehr nach Abu Simbel fliegen, da sich ein Sandsturm angekündigt hat. Vielleicht ist das Wetter morgen wieder besser“

Nachdem wir uns auf unserem Schiff „Sheraton Anni“ eingeschifft hatten, nahmen wir das Mittagessen ein und machten uns nachher wieder auf den Weg um den unvollendeten Obelisken zu besichtigen. Dieser wäre ca. 42m hoch, wenn er aufrecht stehen würde. Doch wie der Name schon sagt, ist er nicht vollendet worden. Er liegt in einem Steinbruch in der Nähe der Stadt Assuan. Eine grosse ägypti­ sche Königin, Hatschepsut wollte diesen für einen Tempel in Luxor herstellen lassen. Sie wurde jedoch vor der Vollendung ermordet.

Weiter ging es dann mit den Feluken (kleinen Segelbooten die schon die alten Aegypter kannten), zu den Philae Inseln.

Das Wetter wurde immer schlechter und der Himmel immer dunkler. Auf einmal blitzte und donnerte es. Kaum waren wir im Isistempel, fing es an in Strömen zu regnen. Wie uns Youssef mitteilte, hatte es in diesem Gebiet seit acht Jahren nicht mehr geregnet. Viele Einheimische befürchteten, dass ihre Häuser nach den Sintflutartigen Regenfällen in sich zusam­ menfallen würden, da diese ausschliesslich aus Nilschlamm gebaut worden sind. Für uns war es auf eine Art und Weise etwas Besonde­res, gerade zu diesem Zeitpunkt dort zu sein.

Wenn einer eine(r) Reise tut… Ägypten – Einleitung

Vor bald zwanzig Jahren bereiste ich zum ersten Mal das Land der Pharaonen. Ein Land, das bis heute für mich seine Faszination nicht gemildert hat. Zumal ich auch seit 17 Jahren verwandschaftliche Beziehungen in Ägypten pflege.

Das Land hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten rasant entwickelt. Zum einen Teil positiv – zum andern Teil negativ. Der Mittelstand ist nicht mehr so breit wie früher. Die Lebenskosten sind enorm gestiegen und die Armut hat sich leider vergrössert. Allerdings auch der Reichtum. Es wurden in den 90iger Jahren diverse „Satelitenstädte“ gegründet, welche heute mit Grosskairo verbunden sind. Die Stadt am Nil wird zunehmends grösser. Wenn man vor 15 Jahren von der Mitte Kairos (Gizeh) nach 6. Oktober City wollte, war dies eine mehrstündige Reise, welche bei den Pyramiden von Gizeh vorbeiführte. Heute gibt es eine Schnellstrasse. Die Fahrt dauert nunmehr 15 – 20 Minuten je nach Tageszeit.

Im August werde ich mich nach fünf Jahren wieder mal für 14 Tage in diesem interessanten und spannenden Land aufhalten, um meine Schwiegermutter vielleicht zum letzten Mal zu sehen und eine schöne Zeit mit meinen geliebten ägyptischen Familie zu geniessen. Mein Ziel ist am 8.8.2008 ins ägyptische Museum zu gehen, welches ich am 8.8.1988 zum ersten Mal besuchte.

Nach meiner 1. Ägyptenreise, wurde ich von einer Jugendzeitschrift (ich war damals auch im Redaktionsteam als Redakteurin tätig) gebeten einen Bericht über diese Reise zu verfassen. Erfüllt von der damals schönsten Reise in meinem Lebens, wurde der Artikel sehr lang. So dass er in mehreren Folgen veröffentlicht wurde.

Für meine Leserinnen und Leser dieses Blog, welche am Land der Pharonen interessiert sind, will ich diesen Bericht in mehreren Folgen zugänglich machen. Die Meinungen und Ansichten sowie die Eindrücke, welche ich in diesem doch schon bald 20jährigen Bericht beschreibe sind subjektiv und von meinen Gefühlen, welche ich als damals 24 Jahre junge Frau hatte.


Viel Spass!